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wichtige Themen
2017
  • 8. Höhler Biennale "Schattenwelten" vom 23.6.-15.10.2017: geöffnet jeweils Mittwoch bis Sonntag 10 - 18 Uhr mit täglich angebotenen Führungen
  • Der "2. Geraer Bierzug"  wurde am Sonnabend, dem 6. Mai 2017 realisiert, leider mit zu wenigen Besuchern. Vielen Dank allen Besuchern, unserer OB sowie  den Beteiligten von der Verpflegung über die  Musik mit den "Lanzleut" und dem Chor des Handwerks.
  • Das Präsidium des Deutschen Nationalkomitees für Denkmalschutz verleiht 2017 6-mal die "Silberne Halbkugel". Der Höhlerverein ist einer der Preisträger, wieder ein Beweis für bürgerschaftliches Engagement in unserer Stadt, worauf wir stolz sein können.
  • Geraer Höhlerfest vom 06. bis 08.10. 2017: Wir führen durch nichtöffentliche Höhler natürlich unter Einbeziehung der Biennale.




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Gestern - Heute

1. Die Entstehung und Nutzung

Zu den besonderen Sehenswürdigkeiten unserer Stadt Gera zählt ein im Verborgenen liegendes Kulturdenkmal. In den Grenzen des mittelalterlichen Stadtkerns befindet sich eine unterirdische Stadt, für den Nichteingeweihten ein Gewirr von Gängen und Kellern, die das übertägige Areal unterhöhlt.

Die Geraer Höhler

Hier haben sich die Geraer Stadtbürger seit dem Mittelalter ihr eigenes Denkmal geschaffen. Höhler sind sind eigentlich nichts Besonderes, sie sind Profanbauten (Wirtschaftskeller unter den eigentlichen Hauskellern) des ausgehenden Mittelalters und typisch für Ostthüringen und Westsachsen. So verfügen z.B. auch Altenburg, Zeitz, Glauchau, Crimmitschau und Eilenburg über derartige Bauten.

Aber Gera kann, gemessen an der Vielzahl und am Erhaltungszustand, behaupten einzigartig zu sein. Die Entstehung der Geraer Höhler ist stets im Zusammenhang mit der Stadtgeschichte zu sehen. Wie sich die Städte des ausgehenden Mittelalters in rechtlicher Beziehung als eine Körperschaft eigenen Rechts mit eigenem Gericht hervorhoben, so haben sie auch in wirtschaftlicher Hinsicht gegenüber ihrer ländlichen Umgebung eine besondere Stellung eingenommen. Eine gewisse Zusammenfassung fanden die Privilegien in der "städtischen Bannmeile". Diese Bannmeile untersagte in einem bestimmten Umkreis der Stadt die Niederlassung von Handwerkern und das Brauen und Ausschenken von Bier.

Ein Vorrecht der Stadtbürger in der Zeit vom 15. Bis ungefähr Mitte des 19. Jahrhunderts bestand u.a. in der Verleihung der sogenannten Braugerechtigkeit. Bier war für die Stadt ein wichtiger Wirtschafts- faktor; neben Brot war es das wichtigste Nahrungsmittel. So war Bier Hauptbestandteil der Morgen- und Abendsuppe, aber auch meist Grundlage des Mittagessens. Als Tischtrunk wurde leichtes Bier gereicht und gab es nur stärkeres Lagerbier, so wurde dies verdünnt.

Das Bier brauten die alten Geraer vom Herbst bis zum 30. April. Dies geschah in 1656 in 9 Brauhäusern und 99 brauberechtigten Häusern. 1853 gab es 6 private Brauhäuser, 1 kommunales Brauhaus und 221 brauberechtigte Häuser.


Brauer bei der Arbeit

Die Biermengen betrugen

  • 1656 ca. 1.169.000 l (11.690 hl) oder 298,5 Erbgebräude
    (es durften aber 358 Gebräude gebraut werden, d.h.ca.560 l/Einw.,
    wobei ein Großteil in die umliegenden Ortschaften verkauft wurde)
  • 1724 ca. 2.534.000 l (25.340 hl) oder 647 Erbgebräude
  • 1753 ca. 3.419.000 l (34.190 hl) oder 873 Erbgebräude

(ein Geraer Gebräude entspricht 3916 l)

Die gut geeigneten Gär-und Aufbewahrungskeller für die Biergebräude zu besorgen, war stets eine Privatangelegenheit der Brauberechtigten. Somit entstanden in dieser Zeit die Mehrzahl der Höhleranlagen unserer Stadt, die eine qualitätsgerechte Lagerung des Bieres bei 12-13°C garantierten. Und Höhlerbier muß qualitativ besser gewesen sein, denn der Preisunterschied einer Kanne Höhler-und Kellerbier betrug 1813 1 Pfennig.

(eine Geraer Kanne entspricht 0,9542 l)

Die Höhler wurden bergmännisch im Locker-als auch Festgestein mit oder ohne Ausbau (Ziegel-oder Natursteinmauerung) aufgefahren, wobei die Bergleute der unwirtschaftlich arbeitenden Geraer Silber-und Kupfererzgruben eine neue Verdienstmöglichkeit fanden.

Darum kurz etwas zur Geologie:

Das Stadtgebiet durchzieht von Süd nach Nord das Elstertal, dessen ebener Talgrund durch jungpleistozäne und holozäne Flußsedimente aufgebaut wird. Die im östlichen und nordöstlichen Bereich des Stadtgebietes gelegenen Hochflächen sind größtenteils durch glaziale Ablagerungen der Elsterkaltzeit und die flachen Talhänge von deluvialem Gestein überzogen.

Im Gegensatz zu denen z.B. im Bereich der Greizer Straße gelegenen Höhlern, die im Dolomit des mittleren Zechsteins aufgefahren wurden, sind die Höhler im Bereich des Marktes in den wesentlich jüngeren quartären Abfolgen der Elsteraue angelegt.

Zurück zum Bier. Der Transport der gebrauten Bierfässer in die Höhler erfolgte über leiterähnliche Holzgestelle bzw. wurden sehr große Fässer im Höhler mit eimerähnlichen Hebschäffeln gefüllt. So sind die Geraer Höhler ein historisches Zeugnis der wirtschaftlichen Entwicklung der Stadt in der o.a. Zeit.

Natürlich wurden die Höhler nicht nur für die Lageung von Bier genutzt. Viele Bürger des 15. und 16. Jahrhunders waren Ackerbürger, die ihre Feld- und Gartenfrüchte kühl lagern mußten. Die Geraer Höhler legen aber auch Zeugnis davon ab, wie sich die Bürger im Laufe der Jahrhunderte vor Kriegen, Feuersbrünsten und anderen Katastrohen schützten bzw. wie sich Gassen und Straßen nach einschneidenden Ereignissen, wie z.B. der Feursbrunst von 1780 veränderten.

Bemerkenswert dabei ist, daß trotz aller technischen Entwicklung der mittelalterliche Mensch, als auch der Mensch des 20. Jahrhunderts die Höler als unterirdische Zufluchtsstätte benutzten. So erfüllten die Höhler in den Bombennächten des 2. Weltkrieges wieder ihre lebensrettende Funktion. Die unterirdischen Anlagen boten Schutz beim Durchzug oder Aufenthalt feindlicher Truppen, bei Bränden, bei Unwettern oder sie dienten der Verbringung von Hab und Gut. So vermeldet die Geraer Zeitung vom 7.April 1937 den Fund von 40 Groschen in einem Höhler in der Rittergasse. Die Münzen stammten aus der Mitte des 16.Jahrhunderts.

Die Geraer Höhler dienten aber auch der Wasserversorgung, so kann man heute noch Brunnen feststellen.

Im Verlauf der Jahrhunderte zeigte sich ein Wandel in der Bedeutung der Höhler. Speziell der Übergang von der Hausbrautätigkeit zur gewerblichen und später zur industriellen Brautätigkeit Ende des 19.Jahrhunderts waren Ursache für die rückläufige Bedeutung der Höhler.

Sie gewannen erst wieder an Bedeutung in ihrer Nutzung als Luftschutzanlage. Dazu wurden ab 1935 die meisten Höhler durch Kriechgänge miteinander verbunden.

Nach dem 2. Weltkrieg erlosch das Interesse und erwachte erst im Zusammenhang mit der innerstädtischen Neubebauung und Rekonstruktion, aber nicht nur zum Nutzen der Geraer Höhler. In den Jahren 1975 bis 1980 erfolgte eine fast flächendeckende Vermessung und Bewertung der Höhler, aber durch eine mangelhafte Beachtung der Höhlerproblematik durch die bauausführenden Betriebe auch die teilweise unsachgemäße Abdämmung und Liquidation von erhaltenswerten Höhlern. Mit der Eröffnung des Höhlerrundganges unter dem Steinweg im Jahre 1987 wurden die Höhler für Gera öffentlich und für alle Geraer wieder ein Sinnbild der Geschichte und Identifikationsmöglichkeit mit ihrer Stadt. Der wachsende Besucherstrom seit über 10 Jahren belegt dies eindeutig. Nach der Wiedervereinigung Deutschlands konnte durch öffentliche und Sponsorenmittel die Möglichkeit geschaffen werden einen weiteren Teil der Höhler im Naturkundemuseum auszubauen und diesen Teil mit den Mineralien Ostthüringens in Verbindung zu bringen.

2. Das historische Erbe

2.1. Zu Bewahrendes

Auffahrungen von Höhlern zu:

80 % in fluviatilen Sedimenten
19 % in Zechsteinsedimenten
01 % im Flußschotter

Anzahl der Höhler: ca. 250 Stk.
Gesamtlänge der Höhlergänge: ca.9 km
Gesamtnutzfläche der Höhler: ca. 1 ha

2.2 Vereinsziele

Zweck des Vereins zur Erhaltung der Geraer Höhler e.V. sind die Erhaltung, Sanierung und der Schutz der Geraer Höhler.

Unser Ziel ist es die Höhlerproblematik, im Sinne unserer Satzung, verstärkt in das öffentliche Bewußtsein und Interesse zu rücken.

Wir sehen es als unsere Aufgabe:

  • Streitbar für den Bestandsschutz der Höhler einzutreten
  • Das Höhlerkataster durch Zustandsbeschreibungen und Sichtbefunderhebungen zu vervollständigen
  • Prioritätenlisten der Sanierung incl. Sanierungsempfehlungen, Vorschlägen zur sinnvolen Nutzung und Erschließungskonzepten zu erarbeiten
  • Eigentümer und Bauträger zu beraten
  • Mit der zuständigen Abteilung der Stadt auf der Basis einer gemeinsamen Vereinbarung zusammenzuarbeiten
  • Die Höhlersanierung aus Erlösen des Vereins finanziell zu unterstützen

Fazit: Denkmäler erhält man nur, wenn man Leben im Denkmal ermöglicht.
Bestes Beispiel ist die Geraer Hölerbiennale.