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wichtige Themen
2017
  • Der Verein konnte das 2016 mit einem positiven finanziellen Ergebnis abschließen.
  • Der "2. Geraer Bierzug"  wird am Sonnabend, dem 6. Mai 2017 stattfinden. Ab 11 -19 Uhr im Hof Museum Angewandte Kunst Musik mit den "Lanzleut" und dem Chor des Handwerks, steile Höhlerführungen, Wahrsagerin, Kinderunterhaltung, persönlichem Bieretikettendruck, und allem für das leibliche Wohl (Bierzoll 2 €). Dazwischen 13 bis 14 Uhr Umzug zum Markt mit Historischen Moritaten zum Bier und anschließendem Freibieranstich.
  • Aufruf an unsere Stadtbürger: Wir interessieren uns zur verbesserten Ausgestaltung des 2. Geraer Bierzuges für alte Brauutensilien. Bitte melden unter 0365/8321300!
  • 8. Höhler Biennale "Schattenwelten" vom 23.6.-15.10.2017
  • Geraer Höhlerfest vom 06. bis 08.10. 2017



externe Links
Braukunst

Brautradition in und um Gera

Die Wiege des Bierbrauens stand in den Klöstern, im ausgehenden Mittelalter kam es zur allgemeine Verbreitung dieser Kunst, wie viele anderen Traditionen und Wissenschaften.

  • Ursachen für die schnelle Verbreitung des Bierbrauens waren u. a. die veränderten Eß- und Trinkge- wohnheiten. Es galt als schicklich, scharf gewürzt zu essen (wachsende Handelstätigkeit brachte viele Gewürze ins Land).
  • Die sich ständig vergrößernden Städte konnten die notwendige Trinkwasserqualität nicht mehr sichern (Brunnen).
  • Die Kunst des Winzerns kam ebenfalls aus den Klöstern. Der Weinanbau in der hiesigen Region hatte aber nur mäßigen Erfolg wegen der klimatischen Bedingungen (kleine Eiszeit). Markante Namen in Gera (Weinberg, Weinbergstraße) deuten auf die ehemaligen Anbaugebiete hin). 1487 gab es vier Weinherren im Rat. Im Jahr 1562 gab es eine reichliche Traubenleese.
  • Das Ausgangsprodukt für das Bier, die Braugerste, gedieh überall und war nicht in dem Maß vom Klima abhängig wie der Wein. Anbaugebiete für den Hopfen waren die südliche Vorstadt, jetzt Erfurtstraße und der Bereich oberhalb der alten Wasserkunst. Bis in die 60er Jahre waren die Hänge Richtung Zschippern/Collis beliebte Anbaugebiete auch für die Riebeckbrauerei.
  • Bier war in dieser Zeit Nahrungsmittel, es bildete meist die Grundlage oder den Hauptbestandteil der Nahrung. Getrunken wurde nur ein leichtes Bier, ausgereifte Lagerbiere wurden noch mit Wasser verdünnt.
  • 1665 gab es 9 Brauhäuser, in 4 Mühlen wurde Malz geschroten, 99 Häuser waren zu dieser Zeit brauberechtigt.
  • 1853 waren bereits 221 Häuser brauberechtigt, diese Zahl ist etwa identisch mit der Anzahl der festgestellten Höhler in Gera.
  • Das Brauwesen wurde durch ein Brausyndikat (12 ständige und 6 stellvertr. Mitglieder, die vom Bürgertum gewählt wurden) geregelt.
  • Die Brausaison begann im Herbst und endete am 30. April.
  • Ursprünglich besaß jeder brauberechtigte Bürger seine eigenen Anlagen zum Brauen. Dazu dienten u. a. die gewaltigen Kellergewölbe. Mit der zunehmenden Industrialisierung erfolgte auch eine Zentralisierung des Brauens, es entstanden Sudhäuser, Brauanlagen "zum allgemeinen Nutzen" u.a. brautechnischen Einrichtungen.
  • Die Lagerung des Bieres war in jedem Fall Privatangelegenheit der brauberechtigten Bürger.
  • Die Qualität des Bieres bestimmte den Verkaufserlös, deshalb wurde große Aufmerksamkeit auf die Lagerung gelegt. Die Höhler wurden sauber gehalten und besonderes Augenmerk wurde auf die Belüftung gelegt. Die meisten Höhler hatten eine über Dach geführte Abluftanlage, durch die Luftzirkulation wurde auch eine konstante Kühlung erreicht (Nutzung der Verdunstungskälte von der natürlichen Erdfeuchtigkeit).
  • Diese konstante Lagertemperatur hatte Einfluß auf die Haltbarkeit und den Genußwert des Bieres, denn Bier ist ein sehr empfindliches Getränk. Im Mittelalter war ein gelungener Brauvorgang im Verhältnis 7 zu 10 normal. Deshalb auch die Redewendung "da ist Hopfen und Malz verloren".
  • In den Gewölbekellern wurde nur das etwas minderwertige "Kellerbier" gelagert, es war im Verhältnis zum Höhlerbier im Jahr 1813 um 1 Pfennig billiger je Kanne (es entsprach damals eine Geraer Kanne 0,952 Liter).
  • Der öffentliche Bierausschank war durch den Rat reglementiert. Die Bierstange (wo der liebe Gott den Arm raushängt) zeigte an, wer Gäste in seine Wohnung setzen oder das Bier über die Straße verkaufen durfte. Nach der Brauordnung von 1723 durften nicht mehr als 9 Bierzeichen (Bierstangen) hängen, diese schankberechtigten Bürger waren eine spürbare Konkurrenz zu den 6 ständigen Gasthäusern in der Stadt.
  • Zum Schutz dieser Privilegien gab es die s. g. Bannmeile. Diese Bannmeile untersagte in einem bestimmten Umkreis um die Stadt herum die Niederlassung von Handwerkern und das Brauen und Schenken von Bier.
  • Das gebraute Bier war zu dieser Zeit ein Wirtschaftsfaktor. Ein paar Zahlen zu dieser Entwicklung: 1656 wurden ca. 1.169.00 Liter, d. h. ca. 560 l/Einwohner, Bier gebraut, 1724 2.534.000 Liter und 1753 bereits 3.419.000 Liter.
  • Der Transport des Bieres erfolgte über leiterähnliche Holzgestelle, über die die kleineren Fässer gerollt wurden oder die größeren Fässer wurden mit s. g. "Hebschäffern" befüllt. Die Bierfässer standen in den Höhlernischen auf Sockeln, damit die Kannen zum Abfüllen untergestellt werden konnten.

Quelle: Verein zur Erhaltung der Geraer Höhler e.V.