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wichtige Themen
2017
  • Der Verein konnte das 2016 mit einem positiven finanziellen Ergebnis abschließen.
  • Der "2. Geraer Bierzug"  wird am Sonnabend, dem 6. Mai 2017 stattfinden. Ab 11 -19 Uhr im Hof Museum Angewandte Kunst Musik mit den "Lanzleut" und dem Chor des Handwerks, steile Höhlerführungen, Wahrsagerin, Kinderunterhaltung, persönlichem Bieretikettendruck, und allem für das leibliche Wohl (Bierzoll 2 €). Dazwischen 13 bis 14 Uhr Umzug zum Markt mit Historischen Moritaten zum Bier und anschließendem Freibieranstich.
  • Aufruf an unsere Stadtbürger: Wir interessieren uns zur verbesserten Ausgestaltung des 2. Geraer Bierzuges für alte Brauutensilien. Bitte melden unter 0365/8321300!
  • 8. Höhler Biennale "Schattenwelten" vom 23.6.-15.10.2017
  • Geraer Höhlerfest vom 06. bis 08.10. 2017



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Höhler Charakteristikum

Höhler Charakteristikum


Einsturtz eines Höhlers

Die Höhler gehören mit zur ältesten Bausubstanz in Gera und liegen auch wie die ganze oberirdische Stadt noch im "Dornröschenschlaf". Über die Entstehung des Namens gibt es keine eindeutigen Überlieferungen. So verfügen z.B. auch Altenburg, Zeitz, Glauchau, Crimmitschau und Eilenburg über derartige Tiefkelleranlagen, aber nur in Gera werden diese "Höhler" genannt. Das Einmalige der Höhler in Gera ist, daß hier eine Stadt unter der historischen Altstadt (innerhalb der Stadtmauern) liegt, mit einem Gewirr von Gängen und Kellern, die das übertägige Areal unterhöhlt und in seiner Anzahl, Ausdehnung, sowie dem Erhaltungszustand für Gera einmalig ist. Die Höhler entstanden zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert.

Keller und Höhler bilden einen bautechnischen Komplex

Keller:

Meist typisches Tonnengewölbe, Auskleidung mit Kalksteinen, Erschließung in der Regel über das Treppenhaus. Besonders im Bereich des Marktes und der Händlerstraßen sind die Tonnengewölbe relativ groß und demzufolge auch als Warenlager geeignet.

Höhler:

Der Zugang zum Höhler erfolgte über eine Höhlertreppe, die entweder falltürartig von der Kellersohle oder von der Stirnseite erfolgt. Offiziell durften die Höhler nur unter dem Keller der Bürgerhäuser angelegt werden. In vielen Fällen wurde das ignoriert. Speziell nach dem großen Stadtbrand 1780 gab es dann zahlreiche Verschiebungen der Grundstücksgrenzen. In den geologischen Schwächezonen wurden die Gänge und Gewölbe mit Ziegelmaterial oder Kalkstein verkleidet. Es gibt aber auch Teilauskleidungen bzw. Höhler ohne jegliche Auskleidung. Mit den Höhler wurden die geologischen Sedimente des Elstertales aufgeschlossen.

80% bestehen aus fluviatilen Sedimenten (Flußgestein − Sand- bzw. Kiesablagerungen), 19% aus Zechsteinsedimenten (Kalkstein, Dolomite) und 1% aus Flußschotter.

Das Stadtgebiet durchzieht von Süd nach Nord das Elstertal, dessen ebener Talgrund durch jungpleistozäne und holozäne Flußsedimente aufgebaut wird. Die im östlichen und nordöstlichen Bereich des Stadtgebietes gelegenen Hochflächen sind größtenteils durch glaziale Ablagerungen der Elsterkaltzeit und die flachen Talhänge von deluvialem Gestein überzogen. Im Gegensatz zu denen z.B. im Bereich der Greizer Straße gelegenen Höhlern, die im Dolomit des mittleren Zechsteins aufgefahren wurden, sind die Höhler im Bereich des Marktes in den wesentlich jüngeren quartären Abfolgen der Elsteraue angelegt.

Ca. 75 % der Höhler wurden innerhalb von 50 Jahren gegraben.

Der Bau der Höhler erfolgte etwa zeitgleich mit dem Rückgang der Bergbautätigkeit (Silber- und Kupfererzgruben) im Geraer Umfeld, z. B. Namen wie "Am Kupferhammer" und "Schmelzhüttenstraße" weisen heute noch darauf hin. Damit waren für die verbliebenen Bergleute ein neues Betätigungsfeld gegeben (historische ABM-Maßnahmen).
Natürlich wurden die Höhler nicht nur für die Lagerung von Bier genutzt. Viele Bürger des 15. und 16. Jahrhunderts waren Ackerbürger, die ihre Feld- und Gartenfrüchte kühl lagern mußten. Die Höhler schützten aber auch die Bürger vor Kriegen, Plünderungen, Feuersbrünsten und anderen Katastrophen. Die geschickt angelegte Höhlertreppe war mit geringen Aufwand gut zu verbergen.

Überliefert ist, daß unmittelbar nach dem Stadtbrand 1780 in der heutigen Greizer Straße die Witwe des Wein oder Gemeinmeisters 3 Tage im Höhler überlebt hat, obwohl das darüberliegende Haus völlig zerstört war.

Verborgene Schätze und andere Sensationen sind nicht mehr zu erwarten, lediglich am 7. April 1937 vermeldete die Geraer Zeitung den Fund von 40 Groschen in einem Höhler in der Rittergasse. Die Münzen stammten aus dem 16. Jahrhundert. Auch von geheimen Gängen zum Schloß Osterstein und Kloster Mildenfurth weiß die Sage zu berichten. Aber bisherige Geschichts- und Höhlerforschungen haben bis jetzt keine konkreten Hinweise darauf gegeben. Wir dementieren aber solche Sagen nicht, obwohl bau- und bergbautechnisch durch das Elstergrundwasser und durch den Baugrund solche Vorhaben für damalige Verhältnisse völlig unmöglich erscheinen.

Teilweise dienten die Höhler auch der Wasserversorgung, wenn geologische Bedingungen dies ermöglichten, 2 noch erkennbare Brunnen deuten auf diese Nutzung hin. Mit der Entwicklung der Brauereien und des Brauens über das ganze Jahr verloren die Höhler völlig an Bedeutung, da man auch die Lagermöglichkeiten insgesamt nicht mehr für Lebensmittel in dem Maße benötigte. Auch durch bauliche Veränderungen nach dem letzten Stadtbrand verloren manche Höhler ihre Belüftung und somit ihre Nutzbarkeit. Nach dem großen Stadtbrand von 1780 erfolgte eine Neugestaltung der Innenstadt entsprechend der neuen Brandschutzverordnung. Die alten engen Gassen wurden erweitert und es erfolgte eine Ansiedlung von vielen anderen Handwerkern, z. B. Böttcher, Kannengießer, Schmiede u. a.. Dies scheint die Ursache auch dafür zu sein, daß damals private und nur unter den damaligen Grundstücksgrenzen liegende Höhler nun teilweise unter öffentlichen Straßen und Plätzen liegen.


HÖhler

Weitgehend original erhaltene Höhler sind nicht mehr häufig zu finden, da unsere Vorfahren mit dem Rückgang der Brautätigkeit Umbauten und Verputzarbeiten vornahmen. Mit Vorbereitung des 2. Weltkrieges wurden alle geeigneten Höhler für den Zivilschutz als Luftschutzräume umgebaut und hergerichtet, die bis dahin getrennten einzelnen Höhler wurden durch umfangreiche Kriechgänge miteinander verbunden. Damit war es möglich, unter der Stadt weite Strecken unbemerkt zurückzulegen. Zur Sicherheit wurden alle bekannten Höhlerzugänge verschlossen.
Es kann eingeschätzt werden, daß die größten Beschädigungen und Vernichtung von Höhlern in den letzten 25 Jahren erfolgten. Selbst das letzte Erdbeben in der Region Gera/Posterstein im Jahre 1872 hat fast keine Schäden angerichtet.

Mit der innerstädtischen Neubebauung und Rekonstruktion ab 1975 erfolgte in den nächsten Jahren eine fast flächendeckende Vermessung und Bewertung der Höhler. Hier kamen teilweise bereits katastrophale Zustandsstufen der Höhler zum Vorschein. Undichte Entwässerungsleitungen, Fäkalien, Mülldeponien und andere Einflüsse haben stark an der Bausubstanz gezehrt. Es kam zu Lehmeinspülungen und Brüchen, extremen Durchfeuchtungen im umgebenen Erdreich, Deformationen der Auskleidung und Verwitterung des Mauerwerkes der Höhler und somit auch zu Einstürzen und Bildung unkontrollierbarer Hohlräume in Straßen- und Fundamentbereichen. Deswegen ist es Pflicht der Stadt und der privaten Höhlerbesitzer, diese tickenden Zeitbomben zu entschärfen, aber nicht mit Verfüllung und Vernichtung, sondern mit einer fachgerechten Sanierung, so wie es schon viele Bürger und Institutionen bisher getan haben und auch weiterhin tun werden.

Mit der innerstädtischen Neubebauung erfolgte eine mangelhafte Beachtung der Höhlerproblematik durch die bauausführenden Betriebe. Es wurden teilweise erhaltenswerte Höhler vernichtet, unsachgemäß verfüllt oder die Höhlerzugänge einfach mit Fundamenten überdeckt. Somit sind diese Hohlräume nicht mehr kontrollierbar. Entsprechende operative Entscheidungen und deren Auswirkungen auf die Höhler wurden auch nicht für die Nachwelt dokumentiert. So muß eingeschätzt werden, daß es zum gegenwärtigen Zeitpunkt keine vollständige Übersicht über die Anzahl und den Zustand aller noch vorhandenen Höhler gibt.Die vor allem nach Schadensereignissen durchgeführten Kontrollbefahrungen mahnen eindringlich zum Handeln.

Man kann davon ausgehen, daß gegenwärtig ca. 60 Höhler zum Teil unter großen Aufwand befahrbar sind. Weitere ca. 70 Höhler sind noch vorhanden, aber aus unterschiedlichen Gründen nicht zugängig.

Damit können die von diesen Höhlern ausgehenden Gefährdungen nicht eingeschätzt werden und im Extremfall Havariecharakter besitzen.

Die Sanierung und Erhaltung der Geraer Höhler ist keine hoffnungslose Sache, obwohl die Sanierungen teilweise mit hohen Kosten (u.a. resultierend aus den hohen manuellen Aufwand und sehr beengten Platzverhältnissen) verbunden sind.

Die Bearbeitung der funktions- und bauanalytischen, stadtgeschichtlichen und kulturhisto-rischen Aspekte sind für die weitere Erforschung und der praktischen Nutzung der Höhler von grundsätzlicher Bedeutung.

Wir sind der Meinung, daß unsere Höhler nicht nur eine Vergangenheit haben, sondern auch wieder eine Zukunft haben müssen.

Mit der Eröffnung des Höhlerrundganges unter dem Steinweg im Jahre 1987 wurden die Höhler für Gera öffentlich und für alle Geraer wieder begreifbar und ein Sinnbild der Geschichte und Identifigationsmöglichkeit mit ihrer Stadt. Der wachsende Besucherstrom seit über 10 Jahren belegt dies eindeutig.

Nach der Wiedervereinigung Deutschlands konnte durch öffentliche und Sponsorenmittel ein weiterer Höhler im Bereich des Naturkundemuseums saniert werden und beherbergt heute die ständige Ausstellung "Mineralien Ostthüringens", die ebenfalls ein großer Besuchermagnet ist.

Abmessungen / Zahlen:
 
Anzahl der Höhler:ca. 250  Stk.
mittlerer Querschnitt/Höhler1,3 x 1,8   2,3  m²
mittlere Ganglänge/Höhler32 m
mittlere Nutzfläche/Höhler41,7  m²
mittleres Hohlraumvolumen
(min. 6 m³, max. 290 m³)
90 m³
Gesamtlänge der Höhlergängeca. 9  km
Scheitelüberdeckung zwischen3 und 11 m
Lagertemperaturen8 - 12 °C